Was von Dora blieb

Roman, 340 Seiten
C. Bertelsmann Verlag

Isa steckt in einer Ehekrise. Tief verletzt flüchtet sie an den Bodensee. Im Gepäck alte Briefe und Tagebücher ihrer rätselhaften Großmutter Dora. Um den Schmerz zu verdrängen, befasst sie sich mit deren Geschichte: Dora studierte in den 1920er Jahren zusammen mit dem Bergarbeitersohn Frantek und der extravaganten Maritz an der Kunstgewerbeschule in Essen, der heutigen Folkwangschule. Aus einer intensiven Freundschaft entsteht ein Liebesdreieck. Später heiratet Dora einen Verwaltungsdirektor der BASF. Gesprochen wurde darüber in Isas Familie kaum. Welche Rolle spielte Isas Großvater im Zweiten Weltkrieg? Und warum besuchte ihr Vater eine der berüchtigten Napola-Schulen? Je tiefer Isa in ihre Familiengeschichte vordringt, um so klarer wird ihr Blick auf Dora — und auf sich selbst. 

Pressestimmen:
»Es zeichnet Anja Hirschs Roman aus, dass er nicht nur durch alle Zeitebenen hinweg die Spannung hält, sondern zugleich sich selbst und seinesgleichen hinterfragt.« ― Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Britta Heidemann

»ein zeitgeschichtliches Kleinod« ― mdr Kultur, Alexander Kühn

»Solche Bücher brauchen wir.« ― Salzburger Nachrichten, Anton Thuswaldner

Mehr erfahren...

Wörterbilder

Wörterbilder (2026)

Als ich zu schreiben lernte, habe ich es wie Malen empfunden. Ein Haus für Buchstaben. Das kleine „p“ begann sein Leben im Keller, und das große „P“ ragte bis auf den Dachboden hoch.
Ich malte also Buchstaben und entdeckte, dass sie zu Wörtern verschmolzen.
Ich malte Einkaufszettel, die ich allerdings immer wieder verlor.
Als ich meinen ersten Tagebucheintrag malte, in einem winzigen, hellblauen, geblümten und abschließbaren Büchlein, redeten meine Wörterbilder verführerisch auf mich ein: Ich dürfe petzen, wüten, fluchen.
Doch ich bekam Angst, selbst verflucht zu werden und verlor wieder etwas, diesmal das Schlüsselchen zu meinem Tagbuch.
Später stellte ich in germanistischen Hausarbeiten die These auf, dass Wahnsinn Wahrheit hat. Nicht ahnend, wie schmal der Grad zur Krankheit ist. Ihr könnt euch gar nicht ausmalen, wieviele Briefe ich dem schrieb, den ich für wahrhaftig hielt.
Wieder verlor ich etwas. Diesmal war es ein Mensch.
Ich bekam Angst vor der Kraft meiner gemalten Wörter und verlor die Unschuld.
Heute schreibe ich mit all diesen Erfahrungen im Gepäck. Ich passe besser auf, was ich schreibe. Ich zügele meine Wörterbilder. Wenn ich sie von der Leine lasse, entdecke ich, dass sie sich aufbäumen. Manchmal lasse ich sie plappern und schäle aus ihren schaumigen Sprechblasen einen guten Satz, der mich weiterträgt.
Was ich also schreibend entdeckt habe?
Alles, nehme ich an. Und schreibe weiter.

In: Liane Dirks (Hg.): Den Schatz des Lebens bergen. Life Script®. 2026, S. 32f, 15,- € (über www.freie-akademie-kul-de zu beziehen)

Mehr erfahren...

Versprechen

Fürs Foto wählten sie eine lange Bank, auf der sie alle nebeneinander Platz hatten. Der Wind, sagte einer, komme hier immer überraschend. Jemand schaute sich um und war später nur in der Drehung zu sehen.

Mehr erfahren...

Foto: Julia Krieger

Laken

Die Betthälfte neben ihr war leer. Da zog auf einmal ein Duft durchs Schlafzimmer wie von Pfirsichen und Pflaumen.

Mehr erfahren...