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Nov 11 18

Versprechen

Claus Brunsmann

Fürs Foto wählten sie eine lange Bank, auf der sie alle nebeneinander Platz hatten. Der Wind, sagte einer, komme hier immer überraschend. Jemand schaute sich um und war später nur in der Drehung zu sehen.

Nov 10 18

Schwebeglück

Anja Hirsch

Aus dem Vorwort der 2006 erschienenen Arbeit.

Als die erste Idee zu dieser Arbeit entstand, war der Name Wilhelm Genazino nur einem kleineren Lesekreis bekannt. Diese Zeit ist längst vorbei, der Autor gekürt mit der höchsten Auszeichnung deutschsprachiger Literatur. Sich literaturwissenschaftlich mit seinen Texten auseinanderzusetzen, bedeutete auch, der Illusion zu erliegen, man könne das Werk dieses Autors ordnen. Und doch erwies sich als die vielleicht schönste Erfahrung während dieser Jahre, dass gerade dann der Blick sich weitet, wenn diese Illusion zurücktritt. Nicht nur „das Banale ist das Unaufräumbare“ (so Genazino in einem Essay), sondern letztlich die Literatur, wahrscheinlich das Leben – auch, weil das Banale sich aufzulösen beginnt, begegnet man ihm mit dem „gedehnten Blick“ dieses Autors.

Der Titel der Arbeit, „Schwebeglück der Literatur“ (Genazino), meint eben dies: Wie sich durch Sprache eine gewisse Schwerelosigkeit einstellt, obwohl doch das darin Verhandelte so schwer wiegt – und umgekehrt: wie das scheinbar Leichte ein Gewicht erhält. Die Gewichte und Nicht-Gewichte zu verteilen ist die eine, erzählerische Tätigkeit; die Beobachtung dieses Vorgangs die andere. Das Resultat liegt hier vor.

Okt 27 18

Paar in der Sonne

Claus Brunsmann

Gehen wir noch einen Kaffee trinken?

Warum nicht?

Unsere Schatten sind länger als wir selbst.

Okt 27 18

Laken

Claus Brunsmann

Die Betthälfte neben ihr war leer. Da zog auf einmal ein Duft durchs Schlafzimmer wie von Pfirsichen und Pflaumen.

Okt 27 18

Der Handschuh

Claus Brunsmann

Als er sein Werk verrichtet hatte, zog er sich die Handschuhe aus und ging nach Hause. Da merkte er, dass er den Schlüssel vergessen hatte. Er drückte auf den Klingelknopf, doch seine Frau öffnete nicht. Und das an einem ganz normalen Mittwoch Abend.